Immer perfekt geschminkt zu sein - welche Frau träumt nicht davon?
Ein kleiner Schritt zu dauerhafter Schönheit ist das Permanent Make-up. Diese spezielle Form der kosmetischen Behandlung ist einmal für Frauen, die Mängel - bei Lippenkontur - beheben möchten, aber auch für sportliche Frauen von Interesse. Ihnen bietet das Permanent Make-up die Möglichkeit, ganz ohne Schminke dezent geschminkt auszusehen.
Damit das Permanent Make-up wirklich Kosmetik-Probleme löst und nicht selbst zu einem Problem wird, muss die Kosmetikerin mit sehr viel Sorgfalt und Fachwissen ans Werk gehen. Über Ihre Erfahrungen mit dem dauerhaften Make-up und seine Gefahren berichtet für CosmeticForum Barbara Schneider (kleines Foto), seit Jahren Spezialistin und Ausbilderin in diesem Bereich der Kosmetik.
Eine Frau, die kürzlich in mein Institut kam, hatte einen Lidstrich besonderer Art. Die dunklen Schatten am äußeren Lidrand wären ohne weiteres für ein "Veilchen" durchgegangen. Dieser Frau war aber weder der Schminkpinsel ausgerutscht noch hatte sie einen besonders gewalttätigen Mann zu Hause. Sie wurde von der Nadel eines unqualifizierten Anbieters des Permanent Make-up entstellt. Ihr hatte man einen Lidstrich gezogen und dabei mit der Tätowiermaschine zu fest aufgedrückt, so dass Gefäße platzten. Das Blut nimmt an diesen Stellen die Farbe an und schimmert dunkel durch die Haut: Das charakteristische "blaue Auge".
Pfusch ist kein Einzelfall Die Dame mit dem verunglückten Lidstrich ist beileibe kein Einzelfall. Wöchentlich kommen Frauen zu mir mit unterschiedlich hoch gezeichneten Augenbrauen, fleckigen Lidstrichen oder "konturierten" Lippen, die aussehen, als hätte die Unglückliche aus einem Marmeladentopf genascht. Oft passt auch der Farbton nicht zu der natürlichen Haut- und Haarfarbe. In manchen Fällen kann ich solche Fehler noch mit zum Typ passenden Tönen "ausbügeln". Ist dies nicht möglich, kann bei einer solchen verpfuschten Zeichnung nur noch die Operation helfen.
Ein "Schönheitsfehler" im doppelten Sinne; tief geschält werden kann nur im Bereich der Augenbrauen, nicht aber am Lid- oder Lippenrand. Welche Katastrophe das für die Betroffene ist, die damit leben muss, kann sich sicher jeder ausmalen. Hier schlägt der an sich positive Effekt der langen Haltbarkeit des Permanent Make-up ins Gegenteil um: Die Farbe verblasst erst nach Jahren.
Das will gelernt sein Diese Fälle zeigen, dass das Permanent Make-up unbedingt in die Hände von Experten gehört. Die Technik ist keineswegs 'so schnell nebenbei' zu erlernen. Die Kunst der haltbaren Linien ist eine Herausforderung für verantwortungsbewusste Kosmetikerinnen und Visagisten. Sie beansprucht bis zur Perfektion jede Menge Übung.
Generell sollte man sich davor hüten, bei der Art und Weise der Permanent-Zeichnung einem Modetrend zu folgen. Schließlich hält das Make-up jahrelang. Unterstrichen werden sollte die natürliche, schöne Form, die eine optimal gewachsene Braue besitzt. Für modische, dekorative Ergänzungen des Make-up ist die Kundin so jederzeit frei. Selbst wenn alle Handgriffe sitzen, eine Permanent Make-up-Fachkraft muss in Farb- und Stilberatung fit sein, sprich: ein ausgeprägtes Gefühl für Formen und Farben besitzen, damit die Zeichnung in Harmonie mit Gesichtsform, Haut- und Haarton steht.
Es wir, anders als beim Tätowieren, nicht nach Schablonen arbeiten können, sollte ein Schüler außerdem künstlerische und gestalterische Fähigkeiten mitbringen. Ich empfehle meinen Schülern, sich in die Technik der dauerhaften Augenbrauen, Lidstriche und Lippenkonturen "hineinzuschleichen". An die Ausbildung sollten sich nur Kosmetikerinnen mit langjähriger Erfahrung wagen. Dazu gehört vor allem auch die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Wer mit Permanent Make-up arbeitet, sollte schon vor Beginn der Behandlung das spätere Ergebnis vor dem inneren Auge sehen. Ferner sollte ein fester Kundenstamm vorhanden sein, um auf ein bereits bestehendes Vertrauensverhältnis aufzubauen.
Fehler und ihre Konsequenz In meinen Kursen ist die menschliche Haut zunächst tabu. Geübt wird auf Papier und Leder. Erst wenn die Linien sitzen und ein Gefühl für die Maschine ausgebildet ist, dürfen zunächst kleine Lücken in den Augenbrauen geschlossen werden.
Alles selbstverständlich noch unter fachlicher Anleitung.
An den Lidstrich sollte sich die Anfängerin erst ganz zuletzt wagen. Zuviel kann in unmittelbarer Augennähe schief gehen: Beispielsweise will für die schmerzfreie Eyeliner-Zeichnung die Handhabung des Betäubungsmittels gelernt sein. Das Spritzen ist nicht zu empfehlen. Ein Aufschwemmen der Haut und das daraus folgende Verlaufen der Farbe könnte die Folge sein.
Ich wende eine sanfte Methode an. Der Lidrand ist danach schmerzunempfindlich. Keine oder zu wenig Betäubung kann zu Augenverletzungen führen. Die Permanent-Kundin spürt die Einstiche und zuckt zusammen. Ein Abrutschen des Tätowiergerätes kann im doppelten Sinne "ins Auge gehen". Die Anästhesieflüssigkeit muss an einer bestimmten Stelle aufgetragen werden. Wird sie nur Millimeter daneben gesetzt, kann es zu Reizungen des Auges kommen. Dürftiges Wissen über Permanent Make-up kann immer wieder zu Fehlern führen. Wimpern, vor der Behandlung frisch gefärbt, können beispielsweise für Schwellungen am Auge verantwortlich sein. Vorsicht und Sorgfalt sind beim Zeichnen älterer Menschen angesagt, da deren Gefäße brüchig sind. Verlaufen kann die Farbe, wenn Blutverdünnungsmittel eingenommen werden. Fazit: Es ist einfach verantwortungslos, so einfach drauflos zu malen. Unangenehme Überraschungen kann es bei der Verwendung von pflanzlichen, nicht lichtechten Farben geben. Diese können unter UV-Einwirkung verblassen und - was viel schlimmer ist - sich farblich verändern. Hierzu ein Beispiel: Ich habe viele so genannte zwei bis drei Jahre haltbare Korrekturen gesehen, die statt braun jetzt rosa aus der Haut scheinen. Ob eine Pigmentierung der Haut korrekt ausgeführt wurde, ist innerhalb von vier Wochen erkennbar. Wenn zu zaghaft gearbeitet wurde, ist nichts mehr davon zu sehen. Eine Allergie am Auge wäre katastrophal. Um dem vorzubeugen, ist eine Verwendung von allergiegetesteten Farben unerlässlich. Vorsicht ist angesagt, wenn die in Blau, Türkis oder Grün angeboten werden. Bei den hierfür verwendeten Pigmenten kann eine allergische Reaktion nicht ausgeschlossen werden.
Wichtiges Gebot: Hygiene Das Thema Aids darf auch beim Permanent Make-up nicht vergessen werden. Um einer HIV-Infektion vorzubeugen, ist die Verwendung von Einmalnadeln oberstes Gebot. Die Spitze der Tätowierungsmaschine gehört nach jeder Behandlung ins Sterilisiergerät. Für den Schutz des Zeichnenden zählen Handschuhe zur Grundausstattung. Wenn die anerkannten Hygienevorschriften beachtet werden, sollte es mit Entzündungen, Hepatitis und Herpes eigentlich keine Probleme geben. Bei einem begründeten Verdacht auf Ansteckungsgefahr lehne ich eine Behandlung ab. Wenn nicht die Kundin selbst Schmutz in die kleinen Verletzungen bringt, ist nicht mit Entzündungen zu rechnen. Herpes kann allerdings nach Verletzung der Lippen auftreten. Zur Vermeidung und Linderung muss Vorsorge getroffen werden.
Abschließend möchte ich noch einmal massiv vor Alleingänge! in Sachen haltbarem Make-up warnen, sprich das Gerät kaufen und dann los ... Es geht hier nicht um eine ruck zuck zu erlernende Tätigkeit. Diese Aufgabe erfordert wesentlich mehr Können, weil nicht auf, sondern in die Haut gearbeitet wird. Wer hiermit Schindluder treibt, handelt absolut verantwortungslos.