Präzisionsarbeit Hohe Anforderungen an Pigmentierer Über Pfusch bei Permanent Make-up berichteten wir in der Februar-Ausgabe von KOSMETIK international. Was kann getan werden, um das Risiko von Verzeichnungen zu minimieren? Die folgenden Artikel erläutern, worauf in Ausbildung und Praxis zu achten ist. Ein schönes Permanent Make-up wünschen sich Menschen, die ohne Schminkstreß den Tag beginnen, sich in Bezug auf ihr Make-up sicher fühlen wollen und sich nicht bei jedem Wasser- oder Schweißtropfen fragen wollen, ob der Strich des Brauenstiftes, der fehlende Augenbrauen vortäuschen soll, der Eyeliner oder die mühevoll gemalte Lippenkorrektur noch vollständig zu sehen sind. Um dem Vertrauen des Kunden gerecht zu werden, und auch aus Verantwortung, sollten wir wie ein Künstler unser Bestes geben. Wer ein Permanent Make-up-Stylist werden will, muss sich hohe Ziele setzen. Als wichtigste Voraussetzung muss er künstlerisches Talent zum Zeichnen haben, ebenso ein sicheres Farb- und Formgefühl besitzen, darüber hinaus viel Geduld und ein gutes Einfühlungsvermögen haben. Gute Sehkraft und eine ruhige Hand sind weitere Voraussetzungen. "Die Übung macht's", so war in der Novemberausgabe der KOS METIK international ein Bericht über Permanent Make-up überschrieben. Jedes Üben ist hier ein Zeichnen in die Haut - und jede Kosmetikerin weiß, wie unterschiedlich die Haut ihrer Kunden ist. Dennoch muss trotz aller Unterschiede ein befriedigendes Ergebnis herauskommen. Deshalb benötigt man sehr viel Übung. In Einführungsseminaren erlebt die Schülerin, wie einfach es ist, mit einer Nadel Farben in die Haut zu pigmentieren. Dazu verwendet man Leder oder Schweineohren. Dann kommt die erste Erfahrung im Umgang mit menschlicher Haut. Die besonderen Schwierigkeiten liegen im unterschiedlichen Schmerzempfinden jedes einzelnen und der je nach Lebensalter unterschiedlichen Hautelastizität. Wir empfehlen, zum Seminar ein eigenes Modell mitzubringen, weil die Schülerin im Verlauf der Abheilung ihre Arbeit am besten kontrollieren und daraus weiter lernen kann.
Modelle gefragt Nach dem Einführungsseminar benötigt die Permanent Make-up-Schülerin zunächst viele Freundinnen und Bekannte, die sich dazu bereit erklären, sich als Modell kostenlos zeichnen zu lassen. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass man etliche Monate lang tägliche Praxis braucht, um die unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrade meistern zu können. Erst wenn man auf die an den Modellen erarbeiteten Ergebnisse stolz sein kann, sollte man Permanent Make-up seinen zahlreichen Kunden anbieten. Schließlich möchte kein Kunde, der einen vollen Preis zahlt, ein "Versuchskaninchen" gewesen sein. Diejenige, die danach nicht wöchentlich mehrere Permanent Make-up-Zeichnungen erstellt, wird kaum die nötige Übung haben, um genau so schnell und sicher zu zeichnen wie diejenigen, die sich auf diese Tätigkeit spezialisiert haben.
Folgendes Argument gegen ein über Jahre haltbares Make-up wird von vielen Kosmetikerinnen vorgebracht: "Was ist, wenn sich die Mode ändert?" - Wir sind der Ansicht, dass Permanent Make-ups modeunabhängig gestaltet werden sollten, damit sich die Kundin jahrelang gefällt. Die Haut-, Haar- und Augenfarbe der Kundin sollte ausschlaggebend für die richtige Farbwahl sein. Übrigens: Eine Frau, die keine Augenbrauen hat und sich deswegen sehnlichst eine dauerhafte Lösung ihres Problems sucht, hat uns eine solche Frage nie gestellt. Üblicherweise werden Einwände hinsichtlich der Modeunabhängigkeit von dem Fachhandel mit dem Hinweis entkräftet, dass ein Permanent Make-up ja nur 2 Jahre haltbar sei, die Pigmente nicht so tief wie bei einer Tätowierung eingelagert werden und durch die Hauterneuerung schließlich abgetragen werden. Daher könne man sich in absehbarer Zeit für eine neue Farbe und Form entscheiden. Zu dieser Argumentation möchten wir Stellung nehmen. Die Erfahrung zeigt uns, dass mit diesen Gegenargumenten in der Vergangenheit und auch noch heute sogar ausgebildete Kosmetikerinnen zum Seminar und Kauf von Geräten und Farben verleitet werden.
Ist es eine Tätowierung? Wenn wir Histologen fragen und die ärztlichen Fachaufsätze über die Möglichkeiten der Entfernung von Farbpigmenten aus der Haut nachlesen, kann jeder bestätigt finden, dass Farbpigmente nur dann dauerhaft, d.h. länger als einige Wochen, eingelagert werden können, wenn sie ins obere Korium, also unterhalb der Basalzellschicht, in die Tiefe von 0,8 - 1,4 mm angelagert werden (vgl. G. Becker in: "Medizinische Welt" 27/87, S. 1253). Somit gleicht eine Permanent Make-up-Zeichnung in gewisser Weise einer Tätowierung. Doch gibt es wesentliche Unterschiede! 1. Für Permanent Make-up-Zeichnungen werden am besten spezielle, eigens dafür zugelassene Farben verwendet. Vom Gebrauch von normalen Tätowierfarben, deren Schleimhautverträglichkeit nicht erwiesen ist, ist genauso abzuraten wie von pflanzlichen Farben und Naturfarbstoffen, die längst nicht so harmlos sind, wie man vermuten könnte. "Synthetische Farbstoffe" haben heute die frühere Verwendung von Naturfarbstoffen weitgehend verdrängt; auch scheinen sie toxikologisch (von der Giftigkeit her) weniger riskant zu sein, als schwermetallhaltige Pigmente (vgl. Fortschritte der Kiefer und Gesichtchirurgie Band XXXIV, S. 78). 2. Tätowierer arbeiten meist mit sehr kräftigen Farben. Permanent Make-up-Spezialisten zeichnen sich jedoch gerade dadurch aus, dass sie auch hellhäutige und blonde Typen dezent schminken können. Natürlich ist die Haltbarkeit einer in Blondtönen und in der von uns entwickelten feinen Härchentechnik gezeichneten Brauen nicht so groß wie eine schwarze Balkenaugenbraue. Nach Ablauf von 1-3 Jahren wünschen manche Kundinnen von sich aus eine Farbverstärkung. Blasser gewordene Pigmentierungen lassen sich sehr gut wieder auffrischen. Wir wiesen bereits darauf hin, dass Permanent Make-up nur solche Personen erlernen und ausführen sollten, die künstlerisch und zeichnerisch begabt sind und ein sicheres Gefühl für Formen und Farben haben. Es ist Ihre Hand, die zeichnet und eine Form gestaltet. Was soll man daher von einer Werbeaussage wie dieser halten: "Wir arbeiten mit einem sehr sicheren Gerät, eine Verletzungs- oder Verzeichnungsgefahr ist ausgeschlossen." (W. Wollenberg; KOSMETIK international 11/1992, S. 19). Es gibt keine selbstzeichnenden Geräte. Schablonen sind auch nicht zu empfehlen. Sie brauchen ein oder mehrere elektrische Pigmentiergeräte. Wichtig ist ein ruhiger Lauf, damit die Kunden nicht schon durch ein "bohrendes" Geräusch nervös werden. Es muss Ihnen wie ein Schreibgerät gut in der Hand liegen. Wir empfehlen allen, achten Sie beim Kauf auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Die angebotenen Farben sind sehr unterschiedlich. Achten sollten Sie auf folgendes: In den Bereichen des locker gefügten Bindegewebes, z.B. der Lider und der Lippen, dürfen wir keine flüssigen, tintigen Farben verwenden. Sie spritzen in das umliegende Gewebe. Nach einem Hämatom kann ein nicht erwünschter dauerhafter "Lidschatten" entstehen. Wer wirklich ein Spezialist für Permanent Make-up sein oder werden möchte, sucht wie ein professioneller Maler nach den besten Farben, die auf dem Markt erhältlich sind. Nach unseren Anforderungen müssen kosmetische Pigmentierfarben stets cremig bleiben, wie die Ölfarben auf der Malerpalette; die einzelnen Pigmente müssen groß-molekular sein, damit sie nicht mit der Gewebsflüssigkeit ins umliegende Gewebe ausgespült werden. Nur dann kann man linien- und punktgenau pigmentieren. Die Pigmente müssen auch unter erschwerten Bedingungen sehr farbtreu bleiben, denn es ist für eine Frau sehr unangenehm, wenn sich z.B. die Augenbrauenzeichnung von Braun in Rosa verwandelt. Jeder einzelne Farbton ist bekanntlich aus verschiedenfarbigen Pigmenten zusammengesetzt. Wenn sich gleich bleibende und sichere Farbergebnisse erhalten möchten, ist es sehr riskant, sich aus nur 5 vorhandenen Grundtönen einen hoffentlich passenden Farbton auszuwählen.
Mehrmals nacharbeiten Die Möglichkeiten für eine gute Ausbildung sind für alle - Seminarteilnehmer und Permanent Make-up-Vertreiber - unbefriedigend und stellen in keinem Fall sicher, dass die beklagten Risiken minimiert werden. Das Gegenteil kann eintreten. Wenn Schüler während eines Seminars an fremden Modellen die ersten Linien in die Haut setzen, meinen sie mitunter, dass das Pigmentieren von Hautarealen offensichtlich ganz einfach sei. Oft sehen sie ihr Modell nie mehr wieder und wissen daher nicht, was an Farbe in der Haut verblieben ist. Denn eines ist sicher, jede Permanent Make-up-Zeichnung muss einmal, mitunter auch mehrmals nachgearbeitet werden. Da Ausbilder und Schüler sich nach dem Seminar in der Regel nicht wieder sehen, können sie mit den Ausbildern nicht darüber diskutieren, was sie in Zukunft anders machen müssen. So übt jeder allein zu Hause und macht seine eigenen positiven und negativen Erfahrungen - auf Kosten der Kunden.
Statt dessen Aktionstage Eine sinnvolle Ausbildungskonzeption sieht daher so aus: Grundseminar, Aufbauseminar, Spezialseminar. Eine absolut optimale Ausbildung müsste mindestens drei Monate dauern, mit der Möglichkeit, jeden Tag an anderen Modellen unter fachlicher Aufsicht zu arbeiten. So viel Zeit kann die selbständige Kosmetikerin (zuzüglich zur geforderten Vorbildung und kosmetisch/visagistischen Erfahrung) nicht aufbringen; auch wird es schwer sein, so viele Modelle an eine Ausbildungsstätte heranzuholen.
Es ist unserer Ansicht nach unfair, die oft noch ahnungslosen Kosmetikerinnen mit dem Hinweis "Die Übung macht's" oder der verlockenden Möglichkeit eines guten Stundenlohns für ein Seminar zu interessieren.
"Eine optimale Ausbildung müsste mindestens drei Monate dauern, mit der Möglichkeit, jeden Tag unter fachkundiger Aufsicht an anderen Modellen zu arbeiten. So viel Zeit kann die selbständige Kosmetikerin nicht aufbringen. Auch würde es schwer sein, so viele Modelle an eine Ausbildungsstätte zu holen."
Viele verantwortungsbewusste Kosmetikerinnen, Inhaberinnen vorbildlich geführter Institute haben sich unserer Erfahrung nach dafür entschieden, diese speziellen kosmetischen Behandlungen, die sehr viel Erfahrung und künstlerisches Talent erfordern, in ihrem Institut im Rahmen eines so genannten 'Aktionstages' durchführen zu lassen. Sie bestätigen uns immer wieder, dass sie mit der Möglichkeit, ihre Kunden professionell zeichnen zu lassen, eine stattliche Provision zu erhalten und dabei kein eigenes Haftungsrisiko eingehen zu müssen, sehr glücklich sind. Je mehr Menschen wissen, dass man sich ein Permanent Make-up nicht mal so nebenbei wie ein übliches Make-up, das sich wieder leicht entfernen lässt, einzeichnen lassen sollte, desto mehr wird die Seriosität und Erfahrung professioneller Permanent Make-up-Anbieter gefragt sein.(Ki)
Barbara und Helmut Schneider
Korrektur mit Laser Für Laser-Spezialisten bzw. -Chirurgen ist es inzwischen an der Tagesordnung, dass sie um Beseitigung von missglücktem bzw. entstellendem Permanent Make-up gebeten werden. Es ist kaum zu glauben, wie und was alles in die Gesichter gezeichnet wird. Die Opfer solcher "Artefakte" stehen teilweise unter sehr großem psychischem Leidensdruck. Die Entfernung von Pigmentierungen ist ganz allgemein problematisch und für den Laserchirurgen stellt sich immer die Frage, wie tief die Farbe implantiert wurde. Der Versuch der Entfernung mit dem Laser sollte primär auf jeden Fall unternommen werden, weil die Behandlung in der Regel keine Narben hinterlässt. Das verlangt etwas Geduld, denn nur nach einem Behandlungsversuch, meist aber schon in der ersten Lasersitzung lässt sich erkennen, wie tief die Farbe liegt. Wenn die Pigmentierung über das Stratum Basale nicht hinausgeht, ist die Laserbehandlung die Methode der Wahl, denn das verzeichnete Permanent Make-up kann in der Mehrzahl der Fälle gut entfernt werden. Durch die farbspezifische Wirkung des Lasers können Farbpartikel aus der Haut herausgelöst werden. Wenn die Farbe allerdings zu tief und praktisch im Fettgewebe sitzt, gibt es nur die Möglichkeit der operativen Entfernung. In jedem Fall muss dann eine Narbe in Kauf genommen werden. Auch von Augenlidern kann ein verzeichneter Lidstrich gut mit Laser entfernt werden. Geschick und Erfahrung des behandelnden Arztes sind dabei Voraussetzung.
Am häufigsten sind aber die Fälle der verzeichneten Augenbrauen, mit diesem Problem haben es die Ärzte unseres Zentrums für Laserchirurgie und ästhetische Chirurgie so gut wie regelmäßig zu tun. Jedes Ergebnis muss schließlich unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit gesehen werden, das gilt für alle medizinischen Therapien und Eingriffe genauso wie für die Behandlungsergebnisse einer Kosmetikerin. Es mag in diesem Sinn auch Extremfälle geben, die selbst der ästhetisch-plastische Chirurg ablehnen muss, dann nämlich, wenn das Verhältnis von Ausgangszustand und zu erwartendem Ergebnis und/oder das Risiko des Eingriffs vom Arzt nicht guten Gewissens zu verantworten sind. Eine Frage der Verhältnismäßigkeit sind auch die Kosten der Behandlung. Je nach Größe und Zustand des zu behandelnden Areals kostet eine Korrektur mit Laser zwischen DM 300,- und 800,-. Für eine Operation müssen dagegen ca. DM 2000,- bis 3000,- veranschlagt werden. Dr. Armand Herberger, Musenhof Deidesheim